Hallo, hier ein kleiner Bericht aus Madrid -  über eine alte
spanische Tradition...

Nadine Botzenhart, 16 ist "eigentlich" in der 11.Klasse des Scholl-Gymnasiums aus Ulm, nur eigentlich, da sie gerade für mehrere Monate in Madrid auf eine Schule geht, um Spanisch zu lernen. Kürzlich war sie in La Budardilla, dem Ulmer Spanisch-Radio, zu hören. Von Madrid aus erreichte uns ihr Bericht über den

in Spanien
 
 

Ich hatte noch kaum etwas davon gehört -  geschweige denn je einen  Stierkampf gesehen. Da dies eine alte spanische Tradition ist, wollte ich einmal zu einer "corrida de toros" gehen. Letzten Donnerstag war hier Feiertag "día de la hispanidad" und so fand ein Stierkampf statt. Als ich mich gegen Spätnachmittag mit ein paar Leuten aus Madrid traf, um Richtung "las ventas" aufzubrechen, war mir glaube ich nicht wirklich bewusst, was mich dort erwartete. Die Arena sah wunderschön aus, und da wir die billigeren Karten gekauft hatten,  saßen wir in der Sonne und konnten über die frierenden Leute auf den teuren Schattenplätzen nur lachen (seit ein paar Tagen kehrt auch hier langsam der Herbst ein). Punkt 17.30Uhr blasen die Musiker und der erste Stier schießt voller Anmut in die Arena. Ich habe glaube ich davor noch nie einen lebenden Stier gesehen, aber er ist ein wunderschönes Tier, das vor Kraft und  Pracht nur so strotzt. Der Stier wird von den Spaniern vergöttert. Der Anfang dieses umstrittenen Spektakels ist noch wunderschön. Es scheint wie ein Spiel für den Stier, ein Spiel mit den "Peones"  in ihren glitzernden "chaquetillas" und bunten Tüchern auf der einen Seite und "el toro" auf der anderen.
 

Das schwarze Fell schimmerte golden in der Sonne.
 

Die alten Spanier, die "aficionados" mit ihren Kürbiskernen sitzen gespannt, doch fröhlich auf der Tribuene. Ein idylisches Bild,- bis zum zweiten Musikrausch mit dem zwei "picadors" auf Pferden in die Arena reiten. Es scheint, als ob der Stier mit ihnen weiterspielen will, doch wenn diese ihre langen Lanzen in ihn stechen, muss er verstehen, dass es mehr ist als ein Spiel, ein Spiel auf Leben und Tod,  bei dem der Verlierer schon vorher bestimmt ist... Erst wenn genügend Spieße und Haken in dem schimmernden Fell und den zitternden Muskeln stecken, kommt der Torero, "el martador" in die Arena und der letzte Kampf beginnt...unfair...unnötig...quälend...und eigentlich kaum als Kampf zu bezeichnen, denn kein Mensch kann gegen mehr als eine halbe Tonne kämpfen... Die noch vor wenigen Minuten in Überdruss vorhandene Energie ist wie weggeblasen. Alles, was bleibt, ist der Tanz des Toreros, bevor er dem Stier das "estocada", das Todesschwert gibt... Pervers, wie die Menge aufspringt, wenn der Stier in tosendem Beifall zusammenbricht und ihn die Pferde aus der Arena ziehen.
 

Das Blut durchtränkte Fell glitzerte im Licht der untergehenden Sonne.
 
 

  Seit jenem Stierkampf habe ich mich mit mehreren Spaniern ueber die "corrida de toros" unterhalten...Es muss doch außer der Tradition noch Begründungen geben, die so ein grausames, perverses Geschehen verteidigen, und genau diese wollte ich herausfinden...Es ist aber tatsächlich nur so, dass Spanier von klein an damit aufwachsen...Gibt es "toros", gibt es "Fiestas"...ohne Stiere ist auch so gut wie nie eine Fiesta...Alle fanden es ebenfalls grausam, wie der Stier am Schluss sterben muss...Doch davor, meinten sie, ist es wunderschön anzusehen, in welch einer Harmonie matador (Torero) und toro (Stier) miteinander tanzen - sich verstehen...wenn man es von dieser Seite sieht  ¿?... doch im Endeffekt muss, denke ich, spanisches Blut in einem fließen, um einen Stierkampf wirklich zu verstehen...erst recht,
um ihn genießen zu können.
 

Nadine Botzenhart
Madrid - Ulm